Herbstweh

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Da lese ich Geschichten vom farbenprächtigen Herbst, von Leuten, die Kraft tanken in dieser Jahreszeit oder gar von denen, die diese Jahreszeit lieben.
Als absolutes Frühlingskind können mich solche Statements im ersten Moment nur wundern. Immer noch trauere ich den warmen Jahreszeiten nach. Wie sehr wünsche ich mir die lauen, hellen Abende zurück, den blühenden Garten, die unbeschwerten Zeit mit lieben Freunden. Am liebsten wäre mir ja, dass nach dem Sommer wieder der Frühling ins Land zöge mit seiner erwachenden Natur. Ich sehne mich nach den ersten Knospen und Blüten, den ersten zaghaften Farben. Ich liebe den Duft der ersten Rosen und freue mich jedes Jahr aufs Neue über den Gesang der Vögel am Morgen. Im Frühling, da lebe ich auf!
Doch damit neues Leben entstehen kann, braucht es wohl eine Zeit des Stillstands und der Ruhe. Es muss eine Zeit geben, in der das Alte vergehen kann. Es braucht eine Zeit des Abschieds: Die Blätter fallen von den Bäumen, das Wachstum wird für eine Zeit lang eingestellt. Wir denken an die vergangenen sonnigen Tage und gedenken der Liebsten, die nicht mehr unter uns weilen. Der Mensch kommt zur Ruhe, alles steht still.
Dennoch bewege ich mich morgens missmutig aus dem Bett, wenn es draußen noch düster und nebelig ist. Der kalte Wind, der mir tagsüber um die Nase weht, unterstreicht meine trübe Stimmung. Auch der Abend meldet sich viel zu früh. Und wenn es langsam finster wird, verkrieche ich mich nur allzu gern in der warmen Stube. Matt und müde quäle ich mich von Tag zu Tag.
Doch dann gibt es wieder Tage, in denen die Landschaft in ein ganz besonderes Licht getaucht ist. Die Landschaft zeigt sich strahlend hell in diesen ganz eigentümlichen, goldenen Farben. Es ist, als hätte jemand heimlich die Landschaft umgefärbt. Was ich bisher nicht wahrgenommen habe, erscheint mir nun in einem besonderen Glanz. Sonnentrunken atme ich den Herbst in mich auf.
Es sind Tage wie heute, die mir zeigen, dass man manchmal ein bisschen genauer hinschauen muss. Es gibt einen Neubeginn hinter dem Endlichen. Es gibt eine Lebensfreude hinter all der Trauer. Es gibt eine Schönheit hinter der tristen Fassade.
Das gibt mir die Gewissheit: Herbst ist’s und alles wird wieder gut … irgendwann.
AK, 25.10.2020

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